Mein Sommer am Barumer See
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20. Juli

Der frühe Morgen hat eine papierne Leichtigkeit: Unwirklich in die Landschaft getupft das Licht der Sonne; die Wolken wie mit dem Aquarellpinsel nachlässig auf das Blau des Himmels gemalt. Ich weiß, diese Wolken verheißen nahenden Regen, aber nach den Ergüssen der letzten Tage und dem Sturm der vergangenen Nacht klammert sich die Seele an das kühle Abbild des Sommers. Der immer noch kräftige Wind nimmt jede Ahnung von Wärme auf der Haut sofort mit sich.
Das Wasser bäumt sich auf im Wind und funkelt dabei tausendfach im Sonnenlicht. Fast herbstlich beißt das kalte Wasser in die Haut. Herbstlich auch die zahlreich auf dem See schwimmenden Pflanzenteile, vom Sturm mitgerissen und fallengelassen über dem Wasser.
Einzig sommerlich ist der ausgelassene Tanz der Schwalben über dem See, die sich in immer neuen Manövern fallen lassen, im letzten Moment die Flügel ausbreiten und sich emportreiben lassen, nur, um ein ums andere Mal erneut ihr Spiel mit dem Wind zu treiben.

20.7.12 15:05


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19. Juli

Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Drei Tage ohne. Länger ging nicht mehr. Und so hat mich auch der einsetzende Regen heute Morgen nicht mehr abgehalten. Ich musste zum See.
Das Dorf wirkt wie ausgestorben. Niemand möchte sich dem neuerlichen Sommerregen stellen. Wer nicht raus muss, bleibt im Haus.
Überall tropft es. Beim Laufen streift das hohe, nasse Gras meine Beine. Ich bleibe erst einmal stehen und schaue. Die Ästhetik der Regentropfen auf dem Wasser berührt mich: Einer ums andere reißt die Oberfläche des Sees auf, mancher mit einer solchen Kraft, dass eine Blase aus in die Tiefe gerissener Luft wieder aufsteigt, eine Weile inmitten von Wellenkreisen schwimmt,  bis sie zerplatzt und ein Nichts bleibt. Ich sehe den Blasen und den Wellen zu, einzelnen, allen, verliere mich im immer Gleichen, bis ein fast stillstehendes Bild entsteht, begleitet vom eintönigen Regenrauschen als Summe des tausendfach multiplizierten Geräusches von eintauchenden Regentropfen.
Ich durchbreche das Stillleben, gehe zügig ins Wasser. Der See wehrt sich gegen die Störung: Die reichlichen Regengüsse der letzten Tage haben das Wasser merklich abgekühlt, so dass die Kälte fast wieder wehtut. Ich schwimme schnell und gleichmäßig, ziehe meine Bahn inmitten der tanzenden Regentropfen durch einen ansonsten fast unbelebten See. Die Vögel scheinen sich wie die Menschen vor dem Regen verkrochen zu haben. Vielleicht ahnen sie die zahlreichen Gewitterfronten, die im Laufe des Tages noch durchziehen werden.
Doch ich entsteige dem See erfrischt und genieße auf dem Heimweg sogar die Regentropfen auf meiner Haut wie einen sanften Abschied vom Wasser.

19.7.12 14:41


17. Juli

Zwei Tage schon nicht im See. Ich fühle mich nicht so recht wohl, möchte mir keine Erkältung zuziehen. Das Wetter weiß auch nicht so recht, was es will. Die wenigen sonnigen Minuten lassen mich begierig den Sommer aufsaugen. Wann immer es geht, bin ich draußen.
An der Leine flattert die Wäsche lustig im Wind, wie ein Segel, das gebläht in der auffrischenden Brise ungeduldig an den Leinen und Tauen zerrt, bis es endlich stolzgeschwellt das Schiff hinausführt zur großen Fahrt. Die Gefahr, mit einer kräftigen Dusche erneut übergossen zu werden, scheint die Freude und Ungeduld eher noch zu steigern.
Und so wird die Wäsche gehängt, abgenommen, erneut gehängt. Ich schwanke zwischen Meditation und Überdruss. Heute überwiegt ersteres. So langsam spüre ich die nahende Ruhe: nur noch ein paar pralle Arbeitsage, immer mehr Lücken und Pausen, um dann endlich für ein paar Wochen Entrückung zu erreichen. So betrachtet, ist die Wäsche mein Segel auf diesem Weg. Und wenn es denn heißt, noch ein paarmal Segel setzten und wieder raffen, dann soll es wohl so sein. Der Wind bestimmt den Weg.

 
17.7.12 12:29


15. Juli

 

Endlich kommt zumindest eine Ahnung von Sommer auf, ziemlich norddeutsch, mit Wind und vielen, schnell ziehenden Wolken. Aber das Blau dahinter strahlt und die Sonne verbreitet in windgeschützten Ecken eine wohlige Wärme.
Obwohl Sonntag, muss dringend einiges im Garten gerichtet werden. Der wilde Wein wächst schon wieder durch die Traufe ins Dach. Die klebrigen Fruchtansätze der abgeschnittenen Ranken bleiben überall an mir haften, im Haar, an den Kleidern, rutschen bis in den Ausschnitt. Als wir fertig sind, ist der See das Mittel der Wahl, mich zu erfrischen und von den Pflanzenrückständen zu befreien. Da es keineswegs heiß, dafür aber sehr windig ist, ist der Betrieb am Strand auch am frühen Nachmittag nicht zu groß. Es sind eher die Sportler, die das Wasser heute suchen: Kanuten starten gerade ihre Tour, biegen aber sofort in die Neetze ab. Aus der anderen Richtung nähern sich kraulende Schwimmer. Sie wollen offensichtlich den See der Länge nach durchqueren. Als sie näher kommen, sehe ich, dass sie komplett Neoprenanzüge tragen. Mir wird bewusst, wie sehr ich es genieße, Wind und Wasser auf der Haut zu spüren und mich ganz dem See hinzugeben. Ich schwimme zur Seerosenbucht. Wie immer erfreue ich mich an der archaisch urtümlichen Naturlandschaft. Aus dem Wasser ragt Treibholz, von den Seerosen umrankt und festgehalten. Im begrenzenden Schilfsaum ein Entenpärchen, das sich putzt, ein geschäftiges Blesshühnchen, das aber immer bedacht darauf bleibt, sich nicht zu sehr vom Schilf zu entfernen, vielleicht hat es noch ein Nest in der Nähe. Ein kleiner Vogel fliegt ins Schilf. Ich fühle mich rundum erfrischt, von dieser Berührung mit der unberührten Natur.

15.7.12 15:34


13. Juli

Unglaublich, während ich das schreibe, regnet es schon wieder. Heute Morgen um kurz nach sechs bei 11° C schien noch die Sonne. Eigentlich erhob sie sich gerade über ein Wolkenband am Horizont in ein Stück Himmelsblau und für eine kurze Weile konnte man sich der Illusion hingeben, einen sonnigen Sommermorgen vor sich zu haben. Der Blick nach Süden lehrte mich indessen das Gegenteil. Von dort türmten sich schon wieder Wolkenberge auf, die sich nur allzu bald in Regenschauern ergießen wollten. Nichtsdestotrotz: Ich genieße den sonnigen See zu früher Stunde. Die nicht gerade hochsommerliche Kälte des Morgens lässt den See dampfen. So ist die ganze Wasseroberfläche mit einem zarten Schleier überzogen. Ich fühle mich wie Teil eines Aquarells.

15.7.12 15:07


12. Juli


 

Donnertrommelschlag
unter Wolkenvorhängen
Tropfentanz im See

 

28.2.05 17:13


11. Juli

 

Von Schwimmflügeln und Störchen

Manchmal ist es die Natur, ihre Weite und ihre Einsamkeit, die mich im wahrsten Sinne des Wortes zur Besinnung bringt. Manchmal ist es aber auch eine Mélange aus dieser Erhabenheit und einem gehörigen Schuss Ausgelassenheit und sogar Albernheit, die das Wohlbefinden erst so recht positiv befördert. So ein Tag ist heute. Da kommt die erneute Verabredung zum Schwimmen gerade recht. Mir ist nach Gesellschaft, Teilen und Lachen. Das Wetter ist grau, der Himmel verhangen. Aus den schweren Wolken lösen sich einzelne Tropfen als Vorboten eines kräftigen Schauers. Egal, nass sind wir schon...
Heute zieht es uns Richtung Campingplatz. In unserer Seeatempause zwischen Arbeitsaufträgen, E-Mails, Telefon und Unterricht kann nicht nur die Seele ein bisschen baumeln. Auch die Zunge sitzt locker: Ein bisschen was von der Seele reden. Nichts Schweres, eher Gedankensplitter. Und dann werden wir ein wenig albern, nein: ausgelassen: Zwei Entenfedern werden zu Schwimmflügeln unter den Trägern des Badeanzuges. Ein Seerosenblatt in seiner natürlichen Eleganz bedeckt den Kopf. Und schon gleitet ein fabelhaftes Elfenwesen durchs Wasser. Fünf Störche ziehen über den See. Vollkommener kann das märchenhafte Bild gar nicht mehr werden. Wir sind in einer anderen Welt, minutenlang, und alles scheint möglich.
Nur die Kälte des trüben Tages treibt uns zurück in den menschlichen Alltag.
Es bleibt ein schöner Traum.

11.7.12 18:56


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