Mein Sommer am Barumer See
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4. August

Ich merke, dass der See in den Ferien einen anderen Stellenwert für mich bekommt. Im Alltag ist mir das regelmäßige Schwimmen, das Treibenlassen auf dem Wasser fernab von allem Trubel ein wichtiger Ruhepol. Das ist nun nicht nötig. Es gibt Inseln im Tag, stille Momente, Zeit zum Lesen, Gespräche zu allen Zeiten, Spaß und Entspannung. Ich genieße mein Alleinsein im Wasser nach wie vor, schaue fast eifersüchtig auf andere Badegäste, doch die gleiche Tiefe der Empfindung wie für die dem Tag abgerungene Seezeit im Arbeitsalltag stellt sich nicht ein. Abgerungen und deshalb umso wertvoller war bisher auch die Zeit zum Schreiben. Jetzt könnte ich eigentlich jederzeit zum Stift greifen, bzw. den PC füttern. Aber da gibt es die vielen Ablenkungen, Zeit mit den Kindern, private Projekte und dann ist auch schon mal ein Tag vorbei, an dem ich vielleicht zweimal schwimmen war, aber nicht einmal geschrieben habe.
Heute Morgen habe ich gezielt meinen Fotoapparat mitgenommen, in der Hoffnung, mich mit neuen Bildern zu überlisten. Immerhin, der Tag ist noch nicht vorüber und ich schreibe, dazu gibt es eine Impression vom heutigen Morgen.

4.8.12 21:44


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2. August

Manchmal schwimmt man mit dem Wetter um die Wette. Heute Morgen ziehen mal wieder dunkel drohende Wolken auf.  Die Luft ist schon morgens schwer und feucht. Doch alles zieht mich ins Wasser, ich will schwimmen, mich frei fühlen, den Tag erfrischt beginnen. Heiß und schwül genug verspricht es ohnehin zu werden.
Ganz entspannend ist es im Wasser indes nicht. Ich bin zwar allein, niemand sonst ist trotz der frühen Wärme an den See gekommen. Doch die schwarzen Wolken ziehen überraschend schnell auf. Angestrengt versuche ich auf einen entfernten Donner zu lauschen, blicke alle Augenblicke zum Himmel. Ich bin abgelenkt, kann mich nicht auf den See einlassen, die erfrischende Kühle und Weite genießen. Jeden Moment rechne ich mit Regen oder gar Gewitter.
Ich verlasse das Wasser zwar äußerlich erfrischt. So richtig zum Durchatmen bin ich aber nicht gekommen. Aber was soll’s? Ich habe Urlaub und der hat gerade erst angefangen. Da bleibt auch noch genügend Zeit zum Entspannen. Bei einem gemütlichen Frühstück auf der Terrasse mit der Familie zum Beispiel, bei dem sich auch die Wolken nach einem kurzen Schauer wieder verzogen haben und der Tag freundlich strahlt.

2.8.12 20:00


31. Juli

Es ist mal wieder freundlich heute Morgen und der See ruft mit aller Macht.
Für mich liegt er ganz einsam da, keine anderen Badegäste haben sich eingefunden. Vermutlich sind sie noch verschreckt vom neuerlichen Frühherbsteinbruch und trauen sich nicht.
Bei über 30° C Außentemperatur in der vergangenen Woche konnte man schon beim Schwimmen spüren, wie die Wärme in die Tiefe kroch und den See in Windeseile lauwarm aufgeheizt hatte. Heute ist es wieder deutlich kälter. Doch der Tag schenkt uns ein wenig Sonne, die in einer breiten Bahn aus Gold ihr lautloses Bad im See nimmt.
Die Wasservögel ziehen ihre Bahnen, hier und da mit ihren schon ziemlich groß gewordenen Jungen. Überhaupt keine Scheu vor Menschen zeigen die Haubentaucher. Kurz vor mir tauchen sie plötzlich auf: Vater und Sohn - ich halte sie dafür,  obwohl ich ihr Geschlecht nicht beurteilen kann - und ziehen stolz ihres Weges, ohne sich auch nur im Mindesten von mir beirren zu lassen. Der Kleine ist ein Echo seines Vaters in allen Bewegungen. Dreht der Ältere den Kopf, folgt der Jüngere, beginnt ersterer mit der Gefiederpflege, folgt der Nachwuchs und steckt ebenfalls den Schnabel unter die Flügel und zupft und glättet. Schaut das Elterntier wieder, dreht das Junge den Kopf in dieselbe Richtung. Hin und wieder höre ich leise Laute. Aber die kann ich keinem von ihnen zuordnen.
So ziehen sie auf zwei parallelen Bahnen weiter, entfernen sich von mir. Ich schaue ihnen eine Weile zu, bevor ich das Wasser verlasse. Beim Abtrocknen sehe ich noch, wie der Vater abtaucht, der Kleine mit minimaler Verzögerung hinterher. Etliche Meter weiter tauchen beide wieder auf, erneut erst Vater, dann Sohn, im gleichen Abstand zueinander, wie sie vorher geschwommen sind. Wie schaffen sie das? Wir Menschen sehen unter Wasser  selbst mit Taucherbrille im See kaum etwas, doch das Vogelkind hält engsten Kontakt zum Elternteil.

31.7.12 22:14


29. Juli

 Tropfen perlen

vom schwer nickenden Schilf

in den schwellenden See

29.7.12 13:53


25. Juli

Die Ferienzeit und das schöne Wetter nehmen meinen Badeausflügen zunehmend die Privatheit. Nachmittags spüre ich das besonders. Der See wird zum Freibad, der Strand ist voll, selbst die Dorfbucht wird zur Seebasis vor allem von Jugendlichen aus dem Dorf. Keine Privatheit, kein Rückzug, keine Stille - oder doch? Wenn man weit genug schwimmt, kann man all das hinter sich lassen. Gestern war ich allerdings mit meinen Mädchen schwimmen, einmal zum Strand, ein bisschen in der Sonne aalen und wieder zurück. Man trifft Bekannte, klönt ein bisschen. Gesellschaftsleben am Wasser.
Heute Morgen ist es ruhiger, aber als ich komme, schwimmen schon zwei Köpfe auf dem Wasser und arbeiten sich durch das Nass auf meine Seeseite zu. Gesellschaft ist nachmittags, morgens ist Ruhe und Alleinsein. Ich steuere auf die Seerosenbucht zu und bin dankbar für den eingeschränkten menschlichen Blickwinkel, der es ermöglicht Dinge, die ich nicht sehe, auszublenden. Die Ohren können das nicht: Die Schafe machen heute Morgen ziemlichen Radau. Es blökt über das Wasser. Aber das stört nicht. Tief durchatmen und wieder zurück. Die beiden Köpfe sind nun tatsächlich verschwunden. Als ich aus dem Wasser steige tönt vom gegenüberliegenden Ufer eine Glocke. Eine am DLRG-Haus campende Kindergruppe wird zum Frühstück gerufen. Zeit für mich zu gehen.

25.7.12 09:23


23. Juli

Der Sommer ist zurück. Bereits morgens bei geöffnetem Fenster streichelt die Luft deutlich wärmer die Haut.
Obwohl ich längst nicht so früh wie bisher bin, ist es am See trotz Ferienbeginn noch fast leer. Auf der Strandseite trollt sich eine Kindergruppe, allerdings nicht direkt am Wasser. Erst als ich im Wasser bin, kommt eine weitere Schwimmerin in den See. Man muss sich ja  nicht begegnen. Der See ist groß genug. Ich genieße die warme Sonne auf dem Gesicht und fast glaube ich zu spüren, wie die Wärme tiefer und tiefer ins Wasser drängt.
Dicht über dem ufernahen Wasser schwirren ganze Schwärme von Insekten in der Sonnenwärme. Die Schwalben ignorieren sie heute. Hoch am Himmel ziehen sie ihre verspielten Kreise, nähern sich dem Wasser nicht einmal versuchsweise.
Mir viel näher kommt heute ein Reiher, der höchstens zehn Meter entfernt an mir vorbeifliegt, so dicht über dem Wasser, dass nur gerade eben seine Schwingen nicht ins Wasser tauchen. Lautlos und majestätisch gleitet er über den See, bis zum Schilfgürtel an der Seerosenbucht. Sucht dort kurz nach einem guten Platz und bleibt am Ufer stehen, offensichtlich mit der Absicht, sein Frühstück zu fischen. Hätte ich ihn nicht bei der Landung beobachtet, er wäre kaum zu erkennen vor dem Ufergrün, doch so kann ich jede Regung seines Kopfes verfolgen und wünsche mir wieder einmal, ein Fernglas im Wasser benutzen zu können.
Ich überlasse dem Reiher den See. Unter dem lauten Geschrei einer auffliegenden Gänseschar am anderen Ende des Sees steige ich aus dem Wasser und freue mich einfach, nicht sofort im kalten Wind zu frösteln.

23.7.12 15:25


21. Juli

 

Dass das Leben mitunter Umwege geht, ist keine besonders neue oder gar originelle Entdeckung. Trotzdem ist man immer wieder überrascht, wenn sich plötzlich ein eingeschlagener Weg als Sackgasse erweist und es heißt: stopp, hier geht es nicht weiter, bitte wenden.
Nicht leicht, das zu verdauen, da hilft es nur, den Kopf freibekommen, im wahrsten Sinne des Wortes Platz schaffen für neue Impulse.
Was wäre ein probateres Mittel, als kaltes Wasser und Bewegung? Ich muss in den See, schwimmen, schwimmen, bis die Gedanken aufhören. Leicht trägt mich das Wasser. Egal wohin, einfach nur schwimmen, konzentrieren auf die Bewegung, die Atmung: ein, aus, ein, wieder aus. Im ewigen Wechsel von Sterben und Auferstehen. Alles scheint mir Symbol für die unergründlichen Wege des Lebens. Als ich wende, ist die Leichtigkeit des Schwimmens dahin. Der Wind bläst mir ins Gesicht, die Gischt der Wellen spritzt an mir hoch bis in die Augen, trübt mir den Blick. Ich schlucke Wasser.
Doch irgendwann komme ich wieder in den Windschatten und ruhe ein wenig aus, beobachte die Schwalben in ihrem Auf und Ab. Der Sommer ist noch lange nicht vorbei, auch wenn es nicht immer so aussieht.
Gestärkt entsteige ich dem Wasser, schaue nach vorne, wo irgendwo etwas Neues wartet.

21.7.12 18:56


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